Manchmal bin ich richtig genervt, wie Yoga in den Medien dargestellt wird. Als Sport, als Mittel zur Selbstoptimierung und oft sehr auf das Körperliche reduziert. Dabei ist Yoga doch so viel mehr. Gleichzeitig ist der Körper unser wichtigstes Erfahrungsinstrument – ein Widerspruch?
Der Körper in der Yogaphilosophie
Die Yoga-Philosophie (ähnlich wie im Buddhismus) geht davon aus, dass wir geistige Wesen sind, die im menschlichen Körper Erfahrungen machen. Dabei vergessen wir, wer wir wirklich sind. Wir sind stark mit physischen und materiellen Aspekten identifiziert, was natürlich auch sinnvoll ist, um zu überleben. Doch eine zu starke Bindung an die Materie verhindert den Zugang zu unserer wahren Natur und wir leiden darunter. Wir fühlen uns nicht mehr mit dem großen Ganzen (dem Göttlichen) verbunden sondern als Individuen. Die Folge: Eine Sehnsucht, die scheinbar nie ganz gestillt werden kann.
Das alles war also schon vor tausenden Jahren bekannt und die weisen Yogis haben Techniken entwickelt, um diese Angebundenheit wieder zu erfahren. Durch Erkenntis, Körper- und Atemübungen, Meditation und das Praktizieren von Hingabe an das Göttliche.
Du bist Sat-Chid-Ananda.
Deine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.
Die Rolle des Körpers im modernen Yoga
In der modernen Gesellschaft betreten wir zusätzlich neue erschaffene Welten: geistige Arbeit, Internet, Smartphone, KI und mehr. Es fällt uns schwer zur Ruhe zu kommen, Gedanken kreisen und wir können nicht abschalten. Körperliche Betätigungen helfen uns auf eine andere Ebene zu kommen. Oft können wir uns erst dann richtig entspannen.
Wir dürfen lernen, wieder mehr im Körper zu sein und uns als Teil der vergänglichen Natur zu begreifen. Aus dieser Verwurzelung heraus können wir in die Tiefe gehen und alle Seinsebenen bewusst erfahren und integrieren.
Kein Wunder also, dass Körperübungen im modernen Yoga einen höheren Stellenwert haben, als vor 2000 Jahren.
Asanas als Erfahrungsräume
Die Yogapositionen (Asanas) bieten uns Erfahrungsräume, in denen wir uns, unseren Körper und unser Energiesystem erleben können.
Es scheint paradox: Wir sind mehr als unser Körper, aber wir brauchen ihn als Erfahrungsinstrument, um das zu erkennen.
Indem wir Körper, Geist und Umwelt achtsam miteinander in Einklang bringen, können wir eine ganzheitliche Begegnung mit dem Hier und Jetzt erfahren – jenseits von Leistungszwang und Ablenkung.
Yoga im Leben
Eine regelmäßige Yogapraxis hilft dabei, uns als ganzheitliche Wesen zu erfahren. Und Yoga muss nicht auf der Matte enden.
Mache es dir zur Gewohnheit, kleine Yogaeinheiten in den Alltag einzubauen. In der U-Bahn, an der Supermarktkasse… Widerstehe der Ablenkung für ein paar Minuten. Nimm bewusst deinen Körper wahr, deine Atmung und die Menschen um dich herum – so wertfrei wie möglich. Vielleicht schenkst du dir und anderen sogar ein Lächeln. Namastè!


